Themenfelder
Die thematisch breit gefächerte Forschung der Fakultät findet zum einen im Kontext von acht disziplinär organisierten Fachbereichen statt. Diese zeichnen sich durch spezifische methodische Herangehensweisen, eigene Theoriebildungen, verschiedene regionale Schwerpunkte aus, aber auch durch unterschiedliche historische Entwicklungen. Zum anderen werden in fünf interdisziplinär angelegten, fächerübergreifenden Forschungsschwerpunkten gemeinsam ausgewählte gesellschaftliche Problemlagen und Herausforderungen bearbeitet. So werden ausgewiesene Stärken und etablierte Forschungstraditionen weiter gefördert und gleichzeitig Räume für zukunftsorientierte, innovative Forschungsthemen geschaffen.
Kultur- und Sozialanthropologie
Die Kultur- und Sozialanthropologie untersucht die Vielfalt menschlicher Lebensweisen, Praktiken, Vorstellungen und Organisationsformen in ihren lokalen Ausdrucksweisen und globalen Verknüpfungen. Sie zeichnet sich durch langfristige ethnographische Feldforschung aus. Aufbauend auf intensiver empirischer Forschung, die weltweit durchgeführt wird, entwickeln Anthropolog*innen theoretische, vergleichende und historische Perspektiven auf komplexe gesellschaftliche Phänomene wie Migration, Digitalisierung, Politik, Wirtschaft, Klimawandel, Gesundheit, Religion, Geschlechterverhältnisse und Intersektionalität sowie Kolonialität. Ein spezieller Fokus liegt auf der Analyse diverser Formen von Ungleichheit, Benachteiligung und Ausgrenzung. Besondere Beachtung finden die Wechselwirkungen zwischen globalen Transformationen und lokalen Prozessen. Dabei wird untersucht, wie großräumige Veränderungen und historische Hinterlassenschaften in bestimmten Kontexten erlebt, hinterfragt und neu gestaltet werden.
Soziologie
Die Arbeitsschwerpunkte der Soziologie liegen in der Analyse aktueller sozialer Herausforderungen und Entwicklungen in Österreich und Europa. Die Forschung ist an gesellschaftlichen Problemen orientiert, empirisch ausgerichtet und weist einen hohen Praxisbezug auf. Eingebunden in internationale Diskurse werden für die Disziplin relevante Gesellschaftsdiagnosen zu soziologischen Theorien verdichtet. Die aktuellen Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen (1) Arbeit, Organisation, Geschlechterverhältnisse, (2) Familie, Generationen, Lebenslauf, Gesundheit, (3) Migration, Stadt, Sozialpolitik und soziale Ungleichheit sowie (4) Wissen, Kultur, Bildwelten.
Politik- und Staatswissenschaft
Die Politik- und Staatswissenschaft beschäftigt sich empirisch und theoretisch mit Politik und Governance, Staat und Demokratie und deren Entwicklungen und Veränderungen in unterschiedlichen Weltregionen und Politikfeldern. In Forschung und Lehre bilden politische und gesellschaftliche Transformationsprozesse eine übergreifende Klammer. Konkret werden Politische Theorie sowie theoretische und empirische Analysen zu Gender, Identität, Migration, Repräsentation und Wahlen, Politischer Ökonomie, Institutionen und Governance, vergleichender Policy-Analyse, Internationalen Beziehungen, Umwelt- und Ressourcenpolitik sowie EU- und Europäisierungsforschung miteinander verbunden und weiterentwickelt. Diese Themen werden auf unterschiedlichen Ebenen bearbeitet und analysiert. In jedem dieser Bereiche zeichnet sich die Arbeit der Politik- und Staatswissenschaft durch problemorientierte Perspektiven, plurale Forschungsansätze und interdisziplinäre Kooperationen aus.
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft behandelt Prozesse der privaten sowie öffentlichen medien- und technologievermittelten Kommunikation und deren infrastrukturelle Bedingungen. Im Zentrum stehen der durch Digitalisierung getriebene Wandel medialer Vermittlungstechniken und Inhalte und dessen Auswirkungen auf Individuen, Gesellschaft, Politik und Organisationen. Untersucht werden dabei neben Intermediären wie dem Journalismus auch politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Akteure sowie private Individuen und digitale Kommunikationsagenten. Die Forschung widmet sich insbesondere der Rolle von Kommunikation für Demokratie, Gesundheit und Wohlbefinden in der Gesellschaft, der Entstehung und Bewältigung von Krisen und Unsicherheit sowie digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz. Diese Themen werden in unterschiedlichen Forschungsfeldern bearbeitet. Die Methoden reichen von klassischen sozialwissenschaftlichen Ansätzen bis zu Methoden der Computational Communication Science.
Wissenschafts- und Technikforschung
Im Fokus der Wissenschafts- und Technikforschung stehen die immer enger werdenden Verknüpfungen von wissenschaftlich-technischem und gesellschaftlichem Wandel vor dem Hintergrund, dass wissenschaftlich-technische Innovationen sowohl als Mittel zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen als auch als wirtschaftlicher Motor gesehen werden und vielfach zum Teil konfliktträchtige gesellschaftspolitische Fragen aufwerfen. Thematisch geht es darum zu analysieren, wie Wissen und Innovationen entstehen, welche Rolle Wissenschaft und Technik in der Gestaltung von Gesellschaften auf globaler und lokaler Ebene spielen und wie dies in Demokratien diskutiert und mitgestaltet werden kann. Themenübergreifend geht es um die Rolle von Werten und Bewertungen in Wissenschaft und Gesellschaft sowie um Fragen der Verantwortung in Forschung und Innovation. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit naturwissenschaftlich-technischen Fächern hat einen zentralen Stellenwert.
Pflegewissenschaft
In der Pflegewissenschaft steht Pflege als soziale Praxis im Mittelpunkt. Sie verbindet sozial- und gesundheitswissenschaftliche Expertise zur Analyse und Begegnung regionaler und internationaler langfristiger Herausforderungen und aufkommender Trends in der pflegerischen Versorgung. Forschungsaktivitäten fokussieren auf die Lebenswelten von Personen, Familien und Gemeinschaften, auf soziale Determinanten von Gesundheit und auf die Organisation von Gesundheits- und Pflegesystemen. Dabei stehen die gesundheits- und pflegebezogenen Bedürfnisse und die Bedarfslagen von Menschen in verschiedenen Lebensphasen sowie die Perspektiven der an der Pflege und Versorgung beteiligten Personen im Mittelpunkt. Grundlagen- und problemorientierte Forschung findet in den Feldern (1) Familiäre Pflege entlang des Lebenslaufs, (2) Primärversorgung und Pflege, (3) Langzeitpflege älterer Menschen, (4) Palliativversorgung & Sorgende Gemeinschaften statt.
Internationale Entwicklung
Im Zentrum der Forschung der Internationalen Entwicklung stehen die inter- und transdisziplinäre Untersuchung und Reflexion globaler Ungleichheiten, die kritische Begleitung der Entwicklungszusammenarbeit sowie Fragen der Methodologie und Methodik der Entwicklungsforschung. Erst diese Integration unterschiedlicher Perspektiven in der Analyse von Problemfeldern erlaubt ein tiefergreifendes Verständnis (geo)politischer, ökonomischer, ökologischer, sozialer und kultureller Prozesse, Krisen und Machtstrukturen auf globaler und lokaler Ebene. Die Auseinandersetzung mit Gewalt, Konflikten und Frieden ist zudem ein wichtiger Aspekt. Transdisziplinäre Entwicklungsforschung bezieht daher Perspektiven aus unterschiedlichen Wissens- und Praxisfeldern ein und ist dabei um eine Verknüpfung von Theorie und Praxis bemüht.
Demografie
Die Demografie beschäftigt sich mit der Analyse von Veränderungen in der Größe von Bevölkerungen und deren Strukturen nach Alter, Geschlecht, Wohnort, Qualifikation, Erwerbsbeteiligung und anderen wichtigen individuellen Merkmalen. Die formale Demografie analysiert diese Veränderungen mit Hilfe mathematischer Modelle, die auch Prognosen über mehrere Jahrzehnte unter bestimmten Annahmen zur zukünftigen Fertilität, Mortalität und Migration erlauben. Dazu gehört auch die inhaltliche Analyse der Determinanten dieser Komponenten des demografischen Wandels. Ein wichtiges Thema sind auch die Konsequenzen demografischer Veränderungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt in allen Teilen der Welt.